Historische Entwicklung des Studienganges
Die moderne Chemie und Biologie haben die traditionellen Grenzen ihres Faches sowohl methodisch als auch inhaltlich überschritten. Dies führt zwangsläufig sowohl zu einer gegenseitigen Öffnung dieser beiden Fächer als auch zu einer engeren Kooperation mit anderen naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern wie beispielsweise der Physik. Mit dem nunmehr etablierten Studiengang Life Science der Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde in einer von der Universität Hannover seit 1997 besonders geförderten Innovationsoffensive diese in der Forschung und industriellen Praxis bereits weit fortgeschrittene Entwicklung auch in die universitäre Ausbildung übertragen. Zum Wintersemester 2001/02 wurden die ersten Bachelorstudenten durch einen Wechsel aus den Diplomstudiengängen aufgenommen. Der Masterstudiengang startete im darauf folgenden Jahr. Seit dem Wintersemester 2003/04 ist der grundständige, sechssemestrige Bachelorstudiengang voll etabliert. Der Studiengang Life Science ist der erste akkreditierte konsekutive Studiengang an der Universität Hannover. Die Akkreditierung wurde am 19.1.2004 durch die ZEvA für eine Dauer von zunächst sieben Jahren erteilt.
Das Fach Life Science unterscheidet sich in seinem Spektrum von der klassische Biochemie, Molekularbiologie oder Biotechnologie. Dieses interdisziplinäre Arbeitsgebiet, in dem sich Biologie und Chemie zunehmend überlappen, erfordert ein fundiertes Wissen über die Vorgänge auf der molekularen, zellulären und organismischen Ebene, um zum einem mechanistischen Verständnis der in biologischen Systemen ablaufenden Prozesse zu gelangen. In der industriellen Forschung arbeiten Biologen und Chemiker an diesen Nahtstellen bereits intensiv zusammen:
- In der modernen Pharma- und Pflanzenschutzindustrie stehen zum Beispiel Wirkstoffmechanismen im Bereich der molekularen Erkennung und Signaltransduktion im Mittelpunkt des Interesses. Die Forschung im modernen Pflanzenschutz verlagert sich somit zunehmend auf die Aufklärung natürlicher Resistenzmechanismen auf molekularer Ebene, was u. a. die Voraussetzung für deren Übertragung auf transgene Pflanzen ist.
- Die gezielte Optimierung des Zellmetabolismus durch biologische und chemische Strategien ist für die Produktion hochwertiger Wirkstoffe unerlässlich.
- Im Bereich des Nachhaltigen Wirtschaftens (Sustainable Development) ist eine die Kenntnis des komplexen Wechselspiels zwischen biologischen Systemen und der Umwelt für den zukünftigen Umweltschutz essentiell.
- In der Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft wird die Interaktion von Biologie und Chemie deutlich bei der Bereitstellung hochwertiger Produkte mit definiertem Wirkstoffcharakter (z.B. aromareich, allergenfrei).
Diese rasant wachsenden, hier nur punktuell angesprochenen Aufgabenfelder in angewandter Life Science erfordern Universitätsabgänger, die fachübergreifend ausgebildet wurden. Gefragt ist der breit qualifizierte und flexibel einsetzbare Absolvent, dem die komplexen Interaktionen in der gemeinsamen Schnittmenge von Biologie und Chemie bewusst sind und der sich schnell mit speziellen Aufgabenstellungen vertraut machen kann.
Die interdisziplinäre und eng an die aktuelle Forschung angebundene Ausrichtung der Life-Science-Studiengänge an der Universität Hannover wird durch das im Jahr 2006 neu eingerichtete, fachübergreifende Zentrum für Biomolekulare Wirkstoffe (BMWZ) weiter gestärkt.